Veröffentlicht am 30 Mai 2015, 07:19

Deutsche aus Schlesien mehr Heimatverbunden

Die Konferenz „Deutsche in Polen” findet noch bis zum 30. Mai auf dem St. Annaberg statt. Bei der vom VdG veranstalteten Konferenz, hielt den Eröffnungsvortrag Prof. Romuald Jończy.

Das Leitthema der diesjährigen Konferenz heißt „Die Deutschen in Polen. Das Leben der deutschen Minderheit in der neuen Situation in Polen nach dem Jahr 1945”. Solche Konferenzen veranstaltet der VdG schon traditionell seit Jahren.

 

Der VdG ist für mich ein wichtiger Partner und deswegen wünsche ich Ihnen eine fruchtbare Konferenz – schrieb in seinem Grußwort der Bundesbeauftragte zu Minderheitenfragen Hartmut Koschyk.

Nach einer kurzen Rede des Vorsitzenden Gaida und seiner Begrüßung der Generalkonsulin aus Breslau Elizabeth Wolbers, konnten die Teilnehmer sich den Vortrag über Migrationen und Entvölkerung von Prof. Romuald Jończy anhören: Die Migrationen und die Entvölkerung sind sehr ernste Probleme. Es gibt im Moment einen Sachstand, wo mehr Menschen studieren, als geboren werden. Prof. Jończy sieht in dieser Tendenz eine große Gefahr für die Woiwodschaft Oppeln: Im Jahr 1947 waren es noch über 50 Kinder in einem Jahrgang, welche die erste Kommunion entgegennahmen, im Jahr 2040 werden es nach Prognosen nur noch 2 Kinder sein – sagte der Professor. Dieser Tendenz stehen die deutschen Schlesier gegenüber: Die Schlesier aus der Woiwodschaft Oppeln, die sich als Deutsche fühlen, denken weniger über definitive Emigrationen nach, als ihre polnischen Nachbarn. Dies ist damit verbunden, dass sie viel stärker emotional mit der Region verbunden sind – sagte Jończy. Dies betrifft auch die Emigration innerhalb des Landes. Die deutschen Schlesier wechseln seltener den Wohnort, also die polnischen Mitbürger.

Der erste Tag der Konferenz wurde mit einem Auftritt des Augsburger Domsingknabenchors in der Basilia vom St. Annaberg beendet.

Den zweiten Tag der Konferenz eröffnete Prof. Piotr Madajczyk, indem er über das tägliche Leben der Deutschen in Polen nach 1945 referierte. Er erzählte u. A. über schreckliche Lebensbedingungen in der Nachkriegsrealität.

Wie sich am Beispiel des Referates von Dr. Adrianna Dawid zeigte, war das Schicksal der Deutschen aus dem Oppelner Teil Oberschlesiens viel Schlimmer, als der in Niederschlesien (Vortrag von Dr. Irena Kurasz). Während in Niederschlesien es die Möglichkeit eines deutschen Schulwesens und deutscher Presse gab, hat die Verwaltung der Oppelner Region versucht die Anzahl der Deutschen zu fälschen: Alles konnte man aber nicht fälschen. Einige deutsche Deklarationen waren natürlich vorhanden, auch in den 50-ger Jahren, aber was interessant ist – die Verwaltung hat diese Deklarationen als Unzufriedenheit wegen des Lebensstandards interpretiert, nicht als Bekennung zum Deutschtum – sagte Dr. Dawid.

Über die Zusammenarbeit der deutschen Minderheit mit den Landsmannschaften erzählte hingegen Joannes Golawski.

In der Diskussion zur Halbzeit der Konferenz appellierte der Vorsitzende des VdG Bernard Gaida um größere Sensibilität, bei er Aufarbeitung der historischen Vergangenheit der Deutschen in Polen: Manchmal, wenn man Publikationen  zu Deportationen und Vertreibungen liest, dann kommt es einem vor, als ob man den Bericht eines Betriebes lesen würde – sagte der Vorsitzende.

Zum Thema wurde auch die Situation der Deutschen in Pommern: Es gab Fälle, in denen Autochthonen ins Gefängnis kamen nur deswegen weil sie Deutsche waren – sagte Dr. Magdalena Lemańczyk. So wie auch in Oberschlesien so auch in Pommern kam es täglich zu Deportationen oder Vertreibungen. Die Teilnehmer der Konferenz wurden sich bei diesem Thema einig, dass die regionale zum Beispiel die kaschubische Identität durchaus mit der deutschen im Einklang stehen.

In weiteren Referaten hat Dr. Arkadiusz Słabig das Thema „Deutsche Bevölkerung in der Region von K Köslin in den Jahren 1950-1970“ vorgestellt, Dr. Joanna Szymoniczek sprach hingegen über die Problematik des deutschen Eigentums in den Ostgebieten nach dem Zweiten Weltkrieg.

Schon im Jahr 1947 war es in Polen verboten, Deutsch zu sprechen. Nur einmal reichte schon, um im Lager in Laband für ein halbes Jahr inhaftiert zu werden – sagte Dr. Danuta Berlińska im Referat über die Versuche deutsche Vereine nach 1950 zu gründen. In Städten gab es die Verordnung, dass die Deutschen in schlechtere oder zerstörte Viertel umgesiedelt werden sollten, sie wurden auch gezwungen für kleineres Geld zu arbeiten, als die Polen – fügte Berlińska hinzu.

Die Konferenz wurde mit dem Vortrag von Jonas Grygier "Deutsche Minderheit im Hinblick auf die Verwaltung in der Woiwodschaft Oppeln" beendet.

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