Veröffentlicht am 20 April 2016, 13:41

In Gdingen wurde an deutsche wie auch arabische Flüchtlinge gedacht

Aus Anlass des 71. Jahrestages der Versenkung der Flüchtlingsschiffe „Wilhelm Gustloff”,  „Steuben“  und „Goya” fand in Gdingen am 16. April 2016  (Tag der Goya-Versenkung) eine Gedenkfeier für die Opfer dieser Seekatastrophe in würdiger Form statt.

In unserer Erinnerung bleiben über 20 tausend Menschen, die ihren Tod Anfang 1945 in der Ostsee fanden. Unter den Opfern waren ein Drittel Kinder. Alleine auf der „Wilhelm Gustloff“ kamen über 9000 Leute, darunter über 5000 Kinder ums Leben. Das war die größte Schiffskatastrophe in der Weltgeschichte.

Die Gustloffgedenkfeier so wie immer, wurde  von dem Bund der Deutschen Bevölkerung in Gdingen unter der Leitung des Vorsitzenden Benedikt Reschke organisiert.

An der Gedenkfeier nahmen teil: Der Kanzler des Konsulates der BRD in Danzig – Herr Reinhard Giesen, der Vorsitzende der Landsmannschaft Westpreußen Herr Ulrich Bonk,  Herr Heinrich Hoch – Vorsitzender der Verbandes der Deutschen Gesellschaften in Ostpreußen, Mitglieder der deutschen Minderheit aus Danzig, Gdingen, Lauenburg, Dirschau, Graudenz, Stuhm, Elbing, Konitz, Thorn, Bromberg, Allenstein auch von Pommern aus Stolp, Köslin und Rummelsburg, Mitglieder der deutsch-polnischen Gesellschaften aus Danzig und Gdingen sowie Herr  Wojciech Florek - Schiffskapitän der Marineakademie in Gdingen.

Die Hauptfeierlichkeiten fanden so wie immer in der heiligen Petrus – Seemannskirche in Gdingen um 15.30 Uhr statt. Zwanzig Minuten vor und während der Heiligen Messe sangt der Chor „Stella Maris“ aus Gdingen – Adlershorst / Orłowo. Der Trauergottesdienst in deutscher Sprache hielt Pfarrer Andre Schmeier – Katholischer Seelsorger aus Ermland, von polnischer Seite Pater Edward Pracz – der Seelsorger der Seeleute.

Die  Gedächtnisfeier begann mit einem Gelegenheitsgedicht„Erinnerung”  („Pamięć”)  von Frau Ewa Reschke  - verfasst und rezitiert über Leid und bitteres Schicksal.

Die Predigt in deutscher Sprache hielt Pfarrer Andre Schmeier.  Er erinnerte an die tragischen Ereignisse auf See Ende des Krieges und die Machtlosigkeit der Flüchtlinge. Teil der Liturgie war auch in polnischer Sprache.

Eindrucksvoll und Professionell  war der Auftritt des Chores „Stella Maris“ aus Gdingen unter der Leitung der Dirigentin Frau Danuta Kowalczyk und der Geigerin Hanna Król. Es wurden u.a die Gesangstücke  „Ave Maria“ von Schubert, „Zażegnanie burzy Dürera” von Verdi,  „La piere“ (Jungfraugebet)  von Bądrzewski, „Już Zbawiciel”  und andere gesungen.

Der Versammelten haben u.a. für die Flüchtlinge gebetet, die auf ähnliche Art und Weise ums Leben kommen.

Zum Ende dieser Gedenkfeier trat Herr Reinhard Giesen – der Kanzler des Konsulates in Danzig, auf. Er sprach über die tragische Zeit des Krieges, über die unschuldige Kinder die, die schlimmsten Erlebnisse tragen mussten: Wir gedenken der Opfer des Untergangs dieser Schiffskatastrophen genau heute vor 71 Jahren  am Tag der „Goya“ Versenkung. An Bord über 20 000 Menschen, weit überwiegend Zivilisten, tausende Kinder sowie verwundete Soldaten. Diese Menschen hatten in Gdingen, Pilau und Hella die Schiffe betreten, die sie nach Jahren der Entbehrung in ein neues Leben bringen sollten. Sie erhofften Freiheit, Menschlichkeit und Augenblicke des Glücks für ihr künftiges Leben. Diese Hoffnung wurde nicht erfüllt.

Im Anschluss an den Gedächtnisgottesdienst wurden Kränze, Blumengebinde und Lichter an die Gedenktafel in der Kirche niedergelegt. Alle zusammen haben in der eigenen Sprache  „Vater unser“ gebetet.  

Insgesamt nahmen an der Veranstaltung circa 250 Menschen teil.

Nachdem dem Gottesdient wurde die Feierlichkeiten auch am Meeresufer fortgesetzt. Herr Ulrich Bonk aus der Landsmannschaft Westpreußen hielt eine Ansprache und betonte: Mit diesen drei Schiffen verknüpfte sich für tausende Menschen buchstäblich die letzte Hoffnung auf Rettung aus Todesgefahr. Auch heute  noch wagen täglich viele Menschen auf wackligen Booten die lebensgefährliche Überfahrt auf der Flucht vor Krieg. Wir wollen daher bei unserem Gedenken an die Opfer der Schiffskatastrophen vor 71 Jahren auch an die aktuellen Opfer von Flucht und Vertreibung denken.

Eine kurze Ansprache hielt Roland Hau der Vorsitzende der deutschen Minderheit in Danzig. Er erwähnte die tragischen Ereignisse auf See und die Flucht Ende des Krieges: Die Erinnerung an die Opfer des Zweites Weltkrieges und die tragische Zeit muss von dem Vergessen bewahrt werden, das ist unsere Pflicht und gehört zu der deutschen Minderheit.

Die Kränze, Blumengebinde und Blumen wurden in Liebe und stiller Trauer zu Wasser der Ostsee gelassen. 

Die Gedenkstunde am Meer endete mit dem gemeinsam gesungenen Lied „Wahre Freundschaft“. Alle Beteiligten waren in tiefen Gedanken versunken an diejenigen, die hier in der Ostsee ihr Zuhause gefunden haben.

Autor: Łukasz Biły

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