Veröffentlicht am 28 April 2016, 12:23

Mut zur Entschuldigung

Bei den Wortmeldungen nach dem Vortrag von Dr. habil. Teresa Astramowicz-Leyk zum Thema „Die Masuren in Masuren nach dem II. Weltkrieg“, der am 22. April die Reihe der „Sorquitter Gespräche“ für dieses Jahr eröffnete, sorgte einer der Gäste der Veranstaltung für einen sehr anrührenden Moment – mit einer Entschuldigung.

Die evangelisch-augsburgische Kirchengemeinde von Sorquitten und der Verein „Freunde Masurens“ in Scharnebeck hatten zum Vortrag eingeladen und etwa 80 Gäste waren gekommen. Dr. Astramowicz-Leyk stellte anhand von erhaltenen Dokumenten aus dem Leben von Fryderyk Leyk, dem Onkel ihres Mannes, verschiedene Aspekte der Behandlung der Masuren in Masuren nach dem Jahr 1945 vor. Berichte, die bei vielen Zuhörern Erinnerungen an ihre eigenen Erlebnisse wachriefen. Beschreibungen davon, was etwa die Tochter von Fryderyk Leyk von ihren Mitschülern ertragen musste, und die briefliche Reaktion ihres Vaters.

Auf diesen Punkt des Vortrages bezog sich Jerzy Tyc aus Surmowen / Surmówka in der Gemeinde Sorquitten. Der Vorsitzende der dortigen Gesellschaft „Kursk“, die lokale Selbstverwaltungen bei der Pflege von Erinnerungsorten verschiedener Armeeverbände unterstützt, schilderte in knappen, eindringlichen Worten, wie er als Schüler mit seinen Kameraden eine Mitschülerin drangsaliert hatte. „Es tut mir sehr leid, was damals war. Ich hätte mich gerne persönlich entschuldigt und habe versucht, einen Kontakt zu knüpfen, aber es ist mir nicht gelungen“, bedauert Jerzy Tyc.

Dafür setzt er gerade einen anderen Plan der Wiedergutmachung in die Tat um. Es geht um das Denkmal für die Gefallenen des ersten Weltkriegs im Zentrum von Surmowen, an dem eine Tafel mit den Namen der toten Soldaten befestigt war. „Ende der 60er Jahre wurde dieses Denkmal in einen Teich geworfen. Sogar das Fundament aus Steinen wurde entfernt. Daran war mein Vater als Schultheiß beteiligt“, erklärt Jerzy Tyc. Er selbst hat vor zwei Jahren dieses Denkmal geborgen und sichergestellt, und die rechtlich notwendigen Prozeduren für das Wiederaufstellen des Steins eingeleitet. „Ein wichtiges Signal war eine Abstimmung bei uns im Dorf, bei der sich die Einwohner dafür ausgesprochen haben“, meint Jerzy Tyc, „das sollte uns die Gemeinde Sorquitten und den Kreis Sensburg gewogen machen.“ Die Zustimmung vom Amt in Warschau liegt nach seiner Aussage bereits vor, die Angelegenheit liegt im Moment beim Gemeinderat, der voraussichtlich auf seiner Sitzung im Mai darüber beraten wird. Anschließend muss der Kreisrat brieflich informiert werden und hat innerhalb eines Monats Zeit für eine Reaktion. Die Wiedererrichtung des Denkmals ist vorbehaltlich der Zustimmung der Verwaltung für die erste Hälfte August geplant. „Zur Einweihung wollen wir Gäste aus Polen und Deutschland und Vertreter der deutschen und russischen Minderheit in Polen einladen“, ergänzt Jerzy Tyc noch, „so wird daraus ein verbindendes Signal und ein Aufruf zum Frieden.“

Bild: Evangelische Kirche in Sorquitten.

Text: Uwe Hahnkamp.

Kommentare

  • Hafen Hinzugefügt: Samstag, 07. Mai 2016 09:08

    Uwe, vielen Dank für den sehr ehrlichen Bericht. Diese Kundgebung hatte mich persönlich sehr gerührt und betroffen gemacht. Ich selbst habe es noch bis 1973 in Oberschlesien erlebt. Herr J. Tyc hatte großen Mut bewiesen, meine Hochachtung. Auch ich wünsche mir Frieden, möge es uns gemeinsam gelingen

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