Veröffentlicht am: 11 April 2018, 13:29

Einer der größten Schlesier

Die letzten Worte meines Vater waren das bekannte und unaussprechlich schöne Gebet von Dietrich Bonhoeffer:

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

Am Montag wurde des 73. Jahrestages der Hinrichtung des evangelischen Theologen und antifaschistischen Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer gedacht. Dieses Gebet hat er im Dezember 1944 in der Gestapo-Haft verfasst und es ist Bonhoeffers letzter erhaltener Text vor seiner Hinrichtung am 9. April 1945. Wer kann das aus den stillen und ruhigen Worten herauslesen? Aber es ist wahr. Seine Aufzeichnungen in der Haft zeigen überhaupt eine neue Dimension seines Denkens.

Aber er hinterlässt viele andere theologische Werke und zeigte schon früh Kritik am nationalsozialistischen Führerprinzip. 1933 veröffentlicht er den Aufsatz "Die Kirche vor der Judenfrage" und verlangt darin von der evangelischen Kirche, nicht nur den Opfern der staatlichen Gewalt zu helfen, sondern auch aktiven Widerstand zu leisten. Ohne Erfolg. 1935 tritt Bonhoeffer der Bekennenden Kirche bei. 1938 fand er weitergehende Kontakte zum Widerstand gegen Hitler. Am 22. August 1940 erhielt Bonhoeffer „wegen seiner volkszersetzenden Tätigkeit“ Redeverbot „für das gesamte Reichsgebiet“. Ein Verbot schriftstellerischer Tätigkeit folgte im März 1941. Bonhoeffer war als prominenter Regimegegner seit dem 5. April 1943 in verschiedenen Gefängnissen wegen „Wehrkraftzersetzung“ bis zu seiner Hinrichtung verhaftet.

Manche Gedanken des großen, in Breslau geborenen Schlesiers behielten eine überraschende Aktualität. Wie sehr passend, hier und jetzt, ist der Gedanke: „Dummheit ist ein gefährlicherer Feind des Guten als Bosheit. (..) Gegen die Dummheit sind wir wehrlos. Weder mit Protesten noch durch Gewalt lässt sich hier etwas ausrichten. (..) Dabei ist der Dumme im Unterschied zum Bösen restlos mit sich selbst zufrieden.“ Ich denke, dass er damals all die meinte, die als gedankenlose Masse blind hinter Hetzern und Betrügern marschieren, ohne zu prüfen, ob ihre Botschaft den deklarierten Geboten entsprechen. Seien wir nicht nur stolz auf den Breslauer, sondern lernen auch mutig der Bosheit zu widersprechen und den höheren Werten treu bleiben. Das ist wieder notwendig.

Autor: Bernard Gaida