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Karwoche

Karwoche

Vor ein paar Jahren habe ich von Bischof Alfons Nossol gehört, dass die Kirche und die Deutsche Minderheit auf dem gleichen Front kämpfen, nämlich um eine Identität, die zu der menschlichen Seele gehört. Identität ist auch vielfältig, was heißt, dass sie den religiösen, sprachlichen und auch nationalen Charakter zugleich hat. Die Sprache und kulturellen Begriffe beeinflussen auch die Gedanken. Wie sehr unterschiedlich und abhängig von der Sprache sie sind, zeigt auch die Zeit in welcher wir uns jetzt befinden. Die Woche ist in Polen als Große Woche bezeichnet aber in der deutschen Sprache ist das die Karwoche, oder auch Stille Woche. Schon die Benennung führt unsere Gedanken weniger in Richtung des Triumpfes, und mehr in die eigentliche Stimmung die von Stille, Reflexion und existentiellen Fragen gekennzeichnet sein soll. In dem Namen Karwoche steckt mittelhochdeutsche kar also „Trauer, Wehklage“, und eine noch ältere Quelle ist das germanische karō also „Sorge, Kummer“. Karwoche heißt also Woche der Trauer und Klage.
Mit dieser Bezeichnung sind wir besonders einverstanden, wenn wir am Karfreitag wir Jesus Worte hören: „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen“ (Markus 15,34). Die deutschen Begriffe der Woche führen uns langsam zu den eigentlichen Kartagen. Nachdem Palmsonntag eigentlich ein Tag der Freude zu sein scheint, treten wir in die sogenannten Stillen Tage von Montag bis Mittwoch, die uns zum erleben des größten Geheimnisses der Kirche führen. Es fängt mit Gründonnerstag an, deren Bezeichnung zwar unklar ist, obwohl mir die Interpretation gefällt, dass sie in manchen deutschsprachigen Regionen mit dem sehr gängigen Namen Antlaßtag („Tag der Entlassung aus den Sünden“, „Ablasstag“) verbunden ist. Das letzte Abendmahl war die erste Eucharistiefeier und sie kann uns, Büßern, die „dürres Holz“ gewesen waren wieder zum lebendigen, „grünen Holz“ umwandeln. Und diese Hoffnung erleichtert uns den Weg durch Karfreitag und Karsamstag zur Freude der Auferstehung Christi. Ich wünsche uns allen ein tiefes Erlebnis der Osterfreude.

Letzte Änderung am Donnerstag, 13 April 2017 11:29
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