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Senat gegen die Verordnung des Ministers

Als Reaktion auf die am 4. Februar 2022 veröffentlichte Verordnung des polnischen Ministeriums für Bildung und Wissenschaft, die die Höhe des Bildungszuschusses für den Unterricht von Deutsch als Minderheitensprache reduziert, hat sich der Senat der Republik Polen in einer Erklärung an das Ministerium für Bildung und Wissenschaft geäußert, in der er diese Entscheidung scharf kritisiert:

Die eingeführte Änderung diskriminiert die deutsche nationale Minderheit erheblich, außerdem ist sie eine Bestimmung, die gegen die Verfassung der Republik Polen, das Gesetz über nationale und ethnische Minderheiten und die Regionalsprache sowie die von Polen ratifizierten internationalen Übereinkommen verstößt. Dies führt zu zusätzlichen Spannungen in den Beziehungen zwischen den Nachbarländern, was angesichts der angespannten internationalen Lage in Europa besonders ungünstig ist. Es ist unverständlich, dass nur eine nationale Minderheit dieser Entscheidung unterliegt. (...)

Die deutsch-polnische Senatsgruppe fordert die Wiederherstellung der Stundenanzahl des Sprachunterrichts für den Zustand, der in der Verordnung des Bildungsministers vom 18. August 2017 über die Bedingungen und die Art und Weise der Durchführung von Aufgaben öffentlicher Kindergärten, Schulen und Institutionen festgelegt ist, die es ihnen ermöglichen, das Gefühl der nationalen, ethnischen und sprachlichen Identität von Schülern nationaler und ethnischer Minderheiten und der Gemeinschaften, die die Regionalsprache verwenden, aufrechtzuerhalten. Darüber hinaus halten wir an der Erwartung fest, den Betrag von 39,8 Mio. PLN für den Bildungszuschuss für den Sprachunterricht nationaler und ethnischer Minderheiten wiederherzustellen.

Den vollständigen Inhalt der Erklärung können Sie HIER nachlesen.

Den Appell, den wir - samt einer "beklagenswerter Antwort" - von Frau Senatorin Danuta Jazłowiecka bekommen haben, kann man unten nachlesen (Datei zum Herunterladen).

  • Publiziert in Politik

Selbstverwaltungen und Unternehmer zur Verteidigung von Deutsch als Minderheitensprache

Für den Unterricht Deutsch als Minderheitensprache äußerte sich im Dezember letzten Jahres der Sejmik der Woiwodschaft Oppeln; es war nicht die einzige Stimme zu diesem Thema (darüber haben wir HIER geschrieben). Auch zahlreiche Gemeinden haben sich in den vergangenen Wochen gegen die Entscheidung zur Kürzung der Subvention geäußert:

  • Gemeinderat von Walzen (13. Januar 2022):

Diese Änderung kann enorme Auswirkungen auf die weitere Entwicklung der Gemeinde Walzen und der gesamten Region haben, da sie sich auf die Haushalte der lokalen Regierungen auswirkt, die oft kleine Bildungseinrichtungen unterhalten.

Vollständiger Text der Entschließung

  • Appell des Stadtrats von Colonnowska (17. Januar 2022):

Seit vielen (...) Jahren beobachten wir erhebliche Missverhältnisse zwischen dem tatsächlichen Bildungsbedarf und der dafür aus dem Staatshaushalt erhaltenen finanziellen Unterstützung. Und in der Situation einer zusätzlichen Kürzung der Subventionen aus den oben beschriebenen Gründen werden die genannten Missverhältnisse noch größer, was viele Gemeinden, einschließlich der Gemeinde Colonnowska, daran hindern wird, andere kommunale Aufgaben ordnungsgemäß umzusetzen, dagegen aber sie dazu zwingen, Bildungseinrichtungen zu schließen.

Vollständiger Text des Appels

  • Beschluss des Bezirksrates in Neustadt (28. Januar 2022):

Die Begrenzung der Mittel für den Unterricht von Minderheiten- und Regionalsprachen wird den Interessen des polnischen Staates abträglich sein und dem Wohl der lokalen Gemeinschaft, die wir vertreten, schaden.

Vollständiger Text der Entschließung

Ihre Positionen haben auch veröffentlicht:

  • Schlesische Handelskammer (10. Februar 2022):

"Die schlesische Handelskammer und die Unternehmer, die sie bilden, befürchten, dass die Kürzung der Subventionen nicht nur die Aktivitäten der Schulen beeinträchtigen wird, sondern in naher Zukunft erhebliche Auswirkungen auf die Entwicklung und Erhaltung der Arbeitsplätze in unseren Unternehmen haben wird. Arbeitgeber haben bereits immer mehr Probleme, erfahrene Mitarbeiter mit Deutschkenntnissen zu gewinnen, und viele von uns, Vertreter von Familien- und internationalen Unternehmen haben sich entschieden, unsere Unternehmen und unser Kapital in Regionen anzusiedeln, in denen Mitarbeiter, die frei Deutsch sprechen, zur Verfügung stehen. (...) Die von der Schlesischen Handelskammer organisierte Petition "Protest der Wirtschaftskreise gegen die Kürzung der Subventionen für die Bildung nationaler und ethnischer Minderheiten durch das polnische Parlament" wurde von fast 190 Vertretern von Wirtschaftsunternehmen nicht nur aus Schlesien beantwortet, die ihre Missbilligung der ergriffenen Maßnahmen zum Ausdruck brachten. Die Schlesische Handelskammer bringt ihre tiefe Besorgnis über die Maßnahmen zur Einschränkung der Möglichkeiten des Deutschunterrichts zum Ausdruck, da sie weitreichende Folgen nicht nur für unsere Unternehmen, für die Wirtschaft einzelner Regionen, sondern auch für die Zukunft Polens haben.

Vollständiger Inhalt

  • Schlesischer Kommunalverband (15. Februar 2022):

Die Auswirkungen einer solchen Lösung werden (...) nicht nur eine praktische Dimension haben und schon heute die Existenz vieler kleiner ländlicher Schulen infrage stellen, sondern sie bekommen – und bereits haben sie – ihre soziale Dimension, die durch den Hinweis des polnischen Staates veranschaulicht wird, dass eine bestimmte soziale Gruppe polnischer Bürger schlechter als andere Minderheitengruppen behandelt wird. (...) Wir protestieren gegen die Verschwendung dieser Entwicklungsmöglichkeiten für unsere Bewohner und appellieren an den Ministerpräsidenten der Republik Polen und die Entscheidungsträger, die Auswirkungen dieser schädlichen Verordnung dringend zu analysieren, die keiner vorherigen Konsultation - weder mit unseren noch mit anderen Kreisen, die davon betroffen werden - unterzogen wurde.  

Vollständiger Inhalt

Weitere Stellungen (in polnischer Sprache):

Gemeinderat in Rosenberg (30. Dezember 2021)
Stadtrat Proskau (5. Januar 2022) 
Gemeinderat Stubendorf (24. Januar 2022)
Stadtrat Zawadzki (24. Januar 2022) 
Gemeinderat Tarnau (25. Januar 2022)
Gemeinderat Kandrzin-Cosel (25. Januar 2022)
Stadtrat Ziegenhals (26. Januar 2022) 
Stadtrat Groß Strehlitz (26. Januar 2022) 
Stadtrat Gogolin (27. Januar 2022)
Gemeinderat Strehlitz (27. Januar 2022)
Gemeinderat Turawa (27. Januar 2022)
Gemeinderat Chronstau (31. Januar 2022)
Gemeinderat Comprachtschütz (10. Februar 2022)

Die oben genannten Schreiben werden mit freundlicher Genehmigung des Büros des Abgeordneten Ryszard Galla veröffentlicht. Vielen Dank.

  • Publiziert in Politik

Debatte über Deutsch als Minderheitensprache in den Medien

Die Entscheidung des polnischen Sejm, die Bildungsförderung für den Unterricht von Deutsch als Minderheitensprache zu kürzen, ist nicht nur für unsere Gemeinschaft unvorstellbar. In den letzten Wochen hat das Thema mediale Resonanz gewonnen: Zahlreiche Artikel, Sendungen, Diskussionen, Pressekonferenzen und Podcasts sind über die Abstimmungen im Sejm und die endgültige Verordnung des Bildungsministeriums erschienen. Und obwohl diese zahlreichen Stimmen leider nicht scheinen, die auf höchster Ebene getroffenen Entscheidungen zu beeinflussen, ist uns zum Trost zumindest das eine: Sie helfen einem breiteren Publikum, das Thema der Minderheiten, die Bedeutung der Vermittlung der Herkunftssprache und den Wert, den der Umgang mit Minderheiten in einer reifen Demokratie hat, zu verstehen.

Eine Auswahl der Medienbeiträge, die zu diesem Thema in deutscher Sprache erschienen sind: 

Janusz Kowalski schlägt zu (Wochenblatt.pl, 3.12.2021)

Kürzungen sind Diskriminierung (Wochenblatt.pl, 13.1.2022)

Weniger Geld aus Warschau (Tagesschau, 17.12.2021)

Das ist unglaublich kurios. Ein Gespräch mit Prof. Grzegorz Janusz, Leiter des Lehrstuhls für politische Systeme und Menschenrechte an der Maria-Curie-Skłodowska-Universität in Lublin (Wochenblatt.pl, 30.12.2021)

Es ist schwierig, die derzeitige Situation in Polen als etwas anderes als politische Kurzsichtigkeit zu bezeichnen. Ich erinnere mich, wie in den 1990er Jahren Jacek Kuroń, eine Persönlichkeit, die sich sowohl um die Opposition als auch um die Minderheiten verdient gemacht hat, sagte, dass Polen in seiner Entwicklung und seinen Plänen, der Europäischen Union beizutreten, nicht viel zu bieten hat. Es könnte also zumindest eine gute Minderheitenpolitik vorweisen. Nun wird der Unterricht in der Minderheitensprache für Kinder polnischer Staatsbürger eingeschränkt. Denn dieser Unterricht kommt nicht Kindern von Ausländern zugute, die sich vorübergehend hier aufhalten, sondern Kinder von Bürgern dieses Landes.

"Wer die Bildung der jungen Generation beschädigt und verletzt, schadet künftigen Generationen" - Pressekonferenz mit Prof. Bernd Fabritius (Wochenblatt.pl, 11.2.2021)

29:25 – Sejmkommission gegen Mittel für minderheitensprachlichen Unterricht (19.1.2022)

Weniger Deutschunterricht für Polens Schulkinder (dw.com, 25.1.2022)

Ich bin für Symmetrie in bilateralen Beziehungen, aber … (Wochenblatt.pl, 26.1.2022)

Ich kann solchen Kürzungen nicht zustimmen (Wochenblatt.pl, 26.1.2022)

Das ist erschreckend! (Wochenblatt.pl, 28.1.2022)

De Vries: Belastung für die deutsch-polnischen Beziehungen (cducsu.de/presse, 30.1.2022)

Die Würfel sind gefallen (Wochenblatt.pl, 5.2.2022)

Entscheidung beruht auf falscher Annahme (Wochenblatt.pl, 7.2.2022)

Nur noch eine Stunde Muttersprache 9Badisches Tagblatt, 10.2.2022)

Bundesregierung unterstützt deutsche Minderheit in Polen (Der Nordschleswiger, 10.2.2022)

Die Bundesregierung ist überrascht worden von dieser Entscheidung des polnischen Bildungsministeriums. Sie stellt nach meiner Überzeugung eine bedauerliche und offene Diskriminierung der deutschen Minderheit dar.

Bernd Fabritius: "Offene Diskriminierung eigener Staatsbürger" (11.2.2022)

Einladung zur Online-Diskussion zum Thema "Die Kürzung des Deutschunterrichts der deutschen Minderheit in Polen und die Folgen (findet am 22.2.2022 statt)

  • Publiziert in Medien

FUEN verurteilt die Diskriminierung deutscher Kinder in Polen

Die Föderalistische Union Europäischer Nationalitäten verurteilt aufs Schärfste die diskriminierenden Rechtsakte, die kürzlich in der Republik Polen verabschiedet wurden. Diese Verfahren und die sie begleitende Rhetorik schaden der gesamten deutschen Minderheit in Polen und insbesondere den Kindern schwer.

Trotz starken Widerstands verabschiedete der polnische Sejm am 17. Dezember 2021 eine Änderung des Haushaltsgesetzes für 2022, die eine erhebliche Kürzung von 39,8 Mio. PLN (etwa 10 Mio. Euro) bei den Bildungszuschüssen für den Minderheitensprachunterricht vorsieht. Der polnische Senat schlug einen Änderungsantrag vor, der die Mittel wiederhergestellt hätte, jedoch ohne Erfolg: Dieser Änderungsantrag wurde am 27. Januar 2022 abgelehnt.

Am 4. Februar 2022 wurde deutlich, dass sich diese Maßnahme auf den Unterricht von Deutsch als Minderheitensprache auswirken sollte: An diesem Tag veröffentlichte der polnische Minister für Bildung und Wissenschaft, Przemysław Czarnek, die Änderungen der Verordnung über den Unterricht von Minderheitensprachen, in der ein Absatz über den Sprachunterricht in Minderheitensprachen von „im Umfang von drei Stunden pro Woche" in „im Umfang von drei Stunden pro Woche und im Falle von Schülern, die der deutschen Minderheit angehören, eine Stunde pro Woche" geändert wurde.

Die FUEN sieht darin eine klare Diskriminierung der deutschen Minderheit und der Kinder, die der deutschen Gemeinschaft in Polen angehören. Diese Änderung führt eine gefährliche Doppelmoral ein, die im Widerspruch zur Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, zum polnischen Gesetz über nationale und ethnische Minderheiten und vor allem zur Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen des Europarates steht, einem internationalen Rechtsakt, der von Polen unterzeichnet und ratifiziert wurde.

Für die FUEN ist es unverständlich, dass einer nationalen Minderheit die Mittel zum Erwerb ihrer Muttersprache und damit die Grundlage für die Erhaltung und Entwicklung ihrer Identität vorenthalten werden. Die FUEN ist der Auffassung, dass die Rechte und die Finanzierung der in Polen lebenden Minderheitengruppen nicht aufgrund von Bestrebungen, die auf eine stärkere Unterstützung der polnischen Gemeinschaften im Ausland abzielen, beeinträchtigt werden dürfen, und dass die Rechte und die Zukunft der Kinder niemals aus politischen Gründen gefährdet werden dürfen.

Die FUEN bekräftigt ihre kontinuierliche Unterstützung für die deutsche Minderheit in Polen, wird sich mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln für eine Lösung dieses Problems einsetzen und diese Angelegenheit in politischen Diskussionen auf höchster Ebene ansprechen.

Quelle: FUEN 

  • Publiziert in Politik

Die Entscheidung des Bildungsministers verklagt bei der OSZE

Im Zusammenhang mit dem letzten Beschluss des polnischen Ministeriums für BIldung und Wissenschaft vom 4. Februar 2022 zur Begrenzung des Stundenumfangs von Deutsch als Minderheitensprache hat am 9. Februar 2022 der Verband der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen eine Beschwerde an die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) geschickt:

Der Unterricht einer Minderheitensprache basiert sowohl auf innerstaatlichen gesetzlichen Regelungen als auch auf internationalen Regelungen des Europarates. Im Zusammenhang mit den vom Sejm und der Regierung der Republik Polen angenommenen Beschlüssen haben wir es mit einer eindeutigen Diskriminierung von Bürgern aufgrund ihrer Staatsangehörigkeit zu tun, mit der Nichteinhaltung der Artikel der polnischen Verfassung, der "Rahmenkonvention für den Schutz nationaler Minderheiten" und der "Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen". Die Berichte des Sachverständigenausschusses des Europarats über die Umsetzung der Verpflichtungen aus europäischen Vorschriften in Polen weisen regelmäßig auf erhebliche Mängel in der Minderheitenbildung hin. Alle Empfehlungen des Ministerkomitees beweisen, dass Polen viele der Verpflichtungen bezüglich des Unterrichts der Minderheitensprache, zu deren Umsetzung es sich freiwillig bereit erklärt hat, noch immer nicht erfüllt hat.

Deutsche in Polen haben als nationale Minderheit das Recht auf das Bildungssystem in der Minderheitensprache. Minderheitenpädagogik, verstanden als wesentlicher Bestandteil der nationalen, sprachlichen und kulturellen Identität, sollte gerade angesichts des langjährigen Deutschunterrichtsverbots, kultureller Diskriminierung und der damals noch fehlenden rechtlichen Anerkennung der deutschen Minderheit in der Volksrepublik Polen unterstützt werden. Trotz dieser Diskriminierung verpflichtete sich das damalige Polen bereits 1975 in Helsinki in der Schlussakte der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, das Recht der Angehörigen von Minderheiten auf Gleichheit vor dem Gesetz zu respektieren und ihnen die Möglichkeit des effektiven Genusses der Menschenrechte und Grundfreiheiten zu gewährleisten. Die Mitgliedstaaten haben beschlossen, den Beitrag anzuerkennen, den nationale Minderheiten zur Zusammenarbeit in verschiedenen Bereichen der Kultur leisten können, unter Berücksichtigung der legitimen Interessen der Angehörigen dieser Minderheiten. (...)

Die Republik Polen ist auch Unterzeichner der Charta von Paris für ein neues Europa von 1990. Diese Karte wurde zum Symbol der offiziellen Schließung der Divisionen auf dem europäischen Kontinent. Die Rechte nationaler und ethnischer Minderheiten schwingen in diesem Dokument sehr deutlich mit: „Wir bekräftigen, dass die ethnische, kulturelle, sprachliche und religiöse Identität nationaler Minderheiten geschützt werden muss und Angehörige nationaler Minderheiten das Recht haben, diese Identität frei auszudrücken, zu bewahren und zu entwickeln, ohne Diskriminierung und in voller Gleichheit vor dem Gesetz." Durch den Beschluss des Kultusministers vom 4. Februar verlor die deutsche Minderheit diese Gleichberechtigung vor dem Gesetz.

Die Diskriminierung der deutschen Minderheit in Polen ist im Kontext der polnischen OSZE-Präsidentschaft besonders unverständlich. Als Verband der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften zählen wir besonders auf das Verständnis für die Situation der deutschen Minderheit und konkrete Maßnahmen des polnischen Außenministers Zbigniew Rau, der die Arbeit der OSZE leitet und als eine der Prioritäten dieser Arbeit betrachtet, Menschenrechte und Grundfreiheiten zu fördern und zu schützen. Wir können uns nur schwer vorstellen, dass eine solche diskriminierende Bestimmung in Polen in Kraft sein könnte. (...) 

Dem Brief wurde auch die Stellung des VdG angesichts der gesetzlichen Diskriminierung der deutschen Minderheit in Polen beigefügt. Vollen Inhalt des Briefes an die OSZE (in englischer Sprachversion) lesen Sie HIER. 

Die Stellung des VdG in englischer Sprachversion ist HIER zu sehen. 

  • Publiziert in Politik

Stellungnahme des VdG angesichts der gesetzlichen Diskriminierung der deutschen Minderheit

Der Vorstand des Verbandes der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen verurteilt hiermit lautstark und entschieden die Einführung der Diskriminierung der deutschen Minderheit und die Stigmatisierung von Kindern, die Deutsch als nationale Minderheitensprache lernen, in

das polnische Rechtssystem, die nationale und ethnische Minderheitenpolitik und das Bildungsrecht in Polen.

Erfolgt ist diese Diskriminierung letztendlich am 4. Februar 2022, als der polnische Minister für Bildung und Wissenschaft Przemysław Czarnek die Verordnung zur Änderung der "Verordnung über die Bedingungen und die Art und Weise, wie Kindergärten, Schulen und öffentliche Einrichtungen die Aufgaben erfüllen, die der Erhaltung der nationalen, ethnischen und sprachlichen Identität von Schülern dienen, die nationalen und ethnischen Minderheiten und Gemeinschaften angehören, und die eine Regionalsprache sprechen" veröffentlichte. Die Veränderung, die zweifellos als historisch in der Geschichte der Republik Polen bezeichnet werden kann, ist in einem einfachen Satz enthalten: "In Paragraf 8 Absatz 3 werden nach den Worten ’im Umfang von 3 Wochenstunden’ die Worte ’und bei Schülern, die der deutschen Minderheit angehören, 1 Wochenstunde’ eingefügt". Mit diesem Satz wurde die Aufteilung von Schülern, die nationalen Minderheiten angehören, in zwei Kategorien auf der Grundlage ihrer Volkszugehörigkeit eingeführt.

So wird eine der in Polen anerkannten nationalen und ethnischen Minderheiten einer besonderen Diskriminierung ausgesetzt. Wir sind davon überzeugt, dass die Einführung doppelter Standards für verschiedene Gruppen in einer ähnlichen Situation im Widerspruch zu Artikel 1 der "Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte" steht, in dem es heißt: "Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren" und Artikel 32 der polnischen Verfassung, der besagt, dass "1. Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. Jede Person hat das Recht auf Gleichbehandlung durch die öffentlichen Behörden. 2. Niemand darf im politischen, sozialen oder wirtschaftlichen Leben diskriminiert werden, aus welchem Grund auch immer."

Vor zwei Jahren feierten wir den 15. Jahrestag des "Gesetzes über nationale u

nd ethnische Minderheiten". Darin lesen wir: "Artikel 6.1. Die Diskriminierung aufgrund der Zugehörigkeit zu einer Minderheit ist verboten. 2) Die Behörden sind verpflichtet, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, damit: 1. Die volle und tatsächliche Gleichstellung von Angehörigen einer Minderheit und Angehörigen der Mehrheit im wirtschaftlichen, sozialen, politischen und kulturellen Leben gefördert wird; 2. Personen geschützt werden, die aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer Minderheit Diskriminierung, Feindseligkeit oder Gewalt ausgesetzt sind; 3. der interkulturelle Dialog gestärkt wird." Es ist unschwer zu bemerken, dass die am 4. Februar 2022 erlassene Verordnung auch im Widerspruch zu diesem Rechtsakt steht.

Der jetzigen Entscheidung ging die Tatsache voraus, dass das polnische Parlament am 17.12.2021 bei der Verabschiedung des Haushaltsgesetzes für das Jahr 2022 gleichzeitig eine Änderung verabschiedete, die eine erhebliche Kürzung der für den Unterricht in den Sprachen der nationalen und ethnischen Minderheiten bereitgestellten Mittel im Bildungsbereich des allgemeinen Zuschusses für lokale Selbstverwaltungen vorsah. Gegen diese Entscheidung, die die Kommunalverwaltungen, die Lehrer, aber vor allem die Bildung der Jüngsten trifft, bezog der Ombudsmann klare Stellung: "Als Ombudsmann kann ich damit nicht zustimmen, dass die Kürzung von Ausgaben auf Kosten von Gemeinschaften oder Gruppen erfolgen sollte, die in verschiedenen Bereichen des sozialen oder kulturellen Lebens ohnehin oft an den Rand gedrängt werden und denen die staatlichen Institutionen besonders verpflichtet sind". Auch Vertreter der deutschen und anderer Minderheiten, Experten, Akademiker, Geschäftsleute, Lehrer und Vertreter der Polonia in Deutschland sprachen sich gegen diese Maßnahme aus. Petitionen dagegen wurden von rund 10.000 Wissenschaftlern, Unternehmern und Eltern unterzeichnet. Auch der polnische Senat, der die Rechte von Minderheiten als Verfassungsgut anerkennt, schlug eine weitere Änderung vor, die die reduzierte Subvention wiederherstellt. Trotz zahlreicher Gegenstimmen wurde die Änderung schließlich am 27. Januar 2022 abgelehnt und die Mittel für den Unterricht der Minderheitensprachen erheblich gekürzt. Es fiel uns jedoch schwer zu glauben, dass es vor über dreißig Jahren nach der Errichtung des demokratischen Systems möglich ist, eine so eklatante Diskriminierung der eigenen Bürger und in diesem Fall der Kinder aufgrund ihrer Staatsangehörigkeit in das Rechtssystem aufzunehmen.

Die Rhetorik, die die oben genannten Maßnahmen begleitet, verstärkt die negative öffentliche Stimmung gegenüber nationalen und ethnischen Minderheiten, und insbesondere gegenüber der deutschen Minderheit. Angesichts der ungünstigen Atmosphäre, die Minderheiten umgibt, und der Tatsache, dass die Diskriminierung polnischer Staatsbürger deutscher Nationalität rechtlich sanktioniert wird, fordern wir die Regierung der Republik Polen und insbesondere Minister Przemysław Czarnek, Professor der Katholischen Universität Lublin dazu auf, auf die Worte einer großen Autorität zu hören, die mit seiner Alma Mater verbunden ist, des heiligen Johannes Paul II, der in seiner Botschaft zum XXII Weltfriedenstag „Um Frieden zu schaffen, Minderheiten achten” vom Jahr 1989 schrieb: "Wenn die Kirche von Diskriminierung im Allgemeinen oder von spezifischer Diskriminierung spricht, die Minderheitengruppen schadet, wendet sie sich in erster Linie an ihre eigenen Mitglieder, unabhängig von deren Stellung oder Verantwortung in einer bestimmten Gesellschaft. So wie es in der Kirche keine Diskriminierung geben darf, kann auch kein Christ wissentlich Strukturen oder Haltungen fördern oder unterstützen, die Menschen von anderen Menschen oder Gruppen von anderen Gruppen trennen".

Als Bürger der Republik Polen, die mit ihren Steuern zum Staatshaushalt beitragen und die die gleichen Rechte und Pflichten haben wie andere Bürger, sowohl diejenigen, die der Mehrheit angehören, als auch diejenigen, die nationalen und ethnischen Minderheiten angehören, und die von der Richtigkeit ihrer Empörung über die uns auferlegte Diskriminierung überzeugt sind, erwarten wir, dass die Änderung vom 4. Februar 2022 aus dem Rechtsverkehr gezogen wird. Wir teilen Ihnen mit, dass wir uns durch die Entscheidungen der Behörden berechtigt und gezwungen sehen, alle verfügbaren rechtlichen, medialen und gesellschaftlichen Mittel im In- und Ausland einzusetzen, um die verfassungsmäßige Ordnung gegenüber uns wiederherzustellen.

Wir fordern auch die europäischen Institutionen und die Regierungen der Mitgliedsstaaten des Europarates, die OSZE, die Europäische Union und insbesondere die deutsche Bundesregierung auf, in den internationalen und bilateralen Beziehungen mögliche Maßnahmen zu ergreifen, um die europäischen Werte zu verteidigen, die durch die oben genannten Beschlüsse des Sejm und der polnischen Regierung verletzt werden. Jeder muss auch mit größerer Entschlossenheit fordern, dass die Republik Polen die Verpflichtungen, die sich aus der ratifizierten Charta der Regional- oder Minderheitensprachen ergeben, in vollem Umfang erfüllt, da ihre Bestimmungen wirksam vor den Situationen schützen, die wir gerade erleben.

Wir lassen uns auch von den Worten des Unterzeichners, Bernard Gaida leiten, die er bei den diesjährigen Gedenkveranstaltungen in Gleiwitz, Schwientochlowitz und Lamsdorf, zur Erinnerung an die Nachkriegstragödie der unschuldigen schlesischen Zivilbevölkerung sprach: "Die Diskriminierung, vor der wir heute die Augen verschließen, wird nur noch zunehmen". 

Bernard Gaida
Vorsitzender des Vorstands des VdG in Polen
Oppeln, den 7. Februar 2022

Kopie des Schreibens:
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Deutsche Minderheit gegen die Aussage des Ministers

Am 4. Juli 2021, in einer Aussage für die Nachrichten des polnischen Senders TVP, hat sich Minister für Bildung und Wissenschaft Przemysław Czarnek gegen den Unterricht der deutschen Geschichte Schlesiens geäußert. In seiner Aussage stellte er fest, dass "Organisationen, die Kinder demoralisieren, in die Schulen eintreten", (...) und darunter "Organisationen, wie die in Schlesien auftauchen, die Kindern unter dem Deckmantel des Deutschlernens deutsche Geschichte Schlesiens beibringen" (darüber haben wir HIER geschrieben). 

Als Reaktion auf die Äußerungen des Ministers richtete der Abgeordnete der deutschen Minderheit Ryszard Galla eine offizielle Anfrage an das Ministerium, in der er sich nicht nur gegen ähnliche Äußerungen ausspricht, sondern auch direkt nach der Bedeutung und Absicht der Worte des Politikers fragt. "Ich muss zugeben, dass Ihre Worte in den Reihen der deutschen Minderheit in Polen eine Welle der Empörung und des Missverständnisses ausgelöst haben. Zunächst einmal fragen wir uns seit einigen Tagen, was Sie genau meinten, als sie diese Worte aussprachen. (...) Ich möchte Sie darauf hinweisen, dass Sie sich als Minister der Konsequenzen Ihrer Worte besonders bewusst sein sollten."

In seinem Schreiben betont der Abgeordnete: "Ich möchte Sie darauf aufmerksam machen, dass der Deutschunterricht als Sprache der nationalen Minderheit und das Erlernen der eigenen Geschichte und Kultur in Polen nach allgemein gültigen Vorschriften völlig legal ist. Genauso legal und rechtsmäßig sind die Aktivitäten verschiedener Organisationen der deutschen Minderheit in Polen, die Projekte in Schulen umsetzen, die das Identitätsgefühl bewahren. Dazu zählen auch Projekte, die das Erlernen der deutschen Sprache und das Erlernen der eigenen Geschichte und Kultur vorsehen."

Relativ schnell kam eine kurzgefasste Antwort des Ministeriums, die ebenfalls durch eine Reihe von Gesetzen unterstützt wurde, die die Rechtmäßigkeit des Unterrichts der Sprache und Kultur nationaler und ethnischer Minderheiten in polnischen Schulen betonten. Und obwohl es in der Rede keine Erklärungen für die Intentionen des Ministers gibt, scheinen darin folgende Worte am wichtigsten zu sein: "Ich versichere dem Herrn Abgeordneten, dass im Ministerium für Bildung und Wissenschaft keine Arbeiten im Gange sind, die die oben genannten Rechte nationaler Minderheiten einschränken würden."

Hoffen wir, dass wir dieser Erklärung vertrauen können und dass die Rechte nationaler und ethnischer Minderheiten in Polen künftig nicht verankert werden. Wir zählen darauf, dass sich ähnliche Äußerungen hochrangiger Politiker nicht mehren werden. Es bleibt nur noch die Abneigung, dass gesprochene Worte doch in Erinnerung bleiben - denn die Reichweite der Äußerungen in den öffentlichen Medien und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft sind viel umfassender als die lakonische Antwort des Ministeriums.

Im Folgenden finden Sie den vollständigen Inhalt der zitierten Korrespondenz (zum Vergrößern klicken):

Anfrage des Abgeordeten Ryszard Galla:

Anschreiben des Abgeordneten Galla auf die Aussage des Ministers

Anschreiben des Abgeordneten Galla auf die Aussage des Ministers

Anschreiben des Abgeordneten Galla auf die Aussage des Ministers

Offizielle Antwort des Ministeriums für Bildung und Wissenschaft (in polnischer Sprache):

Antwort des Ministeriums / Odpowiedź Ministerstwa

Antwort des Ministeriums / Odpowiedź Ministerstwa

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