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Außerordentliche Sitzung der Gemeinsamen Kommission der Regierung und der Nationalen und Ethnischen Minderheiten

Heute, am 25. Februar 2022, fand eine außerordentliche Sitzung der Gemeinsamen Kommission der Regierung und der Nationalen und Ethnischen Minderheiten statt, die auf Antrag der Minderheitspartei einberufen wurde. Das Hauptthema waren die Maßnahmen, die im Bereich der Minderheitenbildung und insbesondere die Änderung des Gesetzes über den Unterricht von Deutsch als Minderheitensprache getroffen werden. Die Informationen hat Minister Tomasz Rzymkowski vom Ministerium für Bildung und Wissenschaft vorgestellt. Besorgnis über die Kürzung der Subventionen und ihre Folgen äußerten Abgeordneter Ryszard Galla, Vertreter der deutschen Minderheit, Experte und Vertreter anderer Minderheiten. In seiner Rede forderte VdG-Vorsitzender Bernard Gaida die Verordnung vom 4. Februar zurückzuziehen. Aufgrund von der Situation in der Ukraine, von der die Mitglieder der Kommission tief bewegt sind, durfte Minister Rzymkowski lediglich an einem Teil des Treffens teilnehmen. Leider war er aber nicht imstande, auf die von den Vertretern der deutschen Minderheit gestellten Fragen zu beantworten.

„Ich kann das nicht erklären” - mehr dazu lesen Sie beim Wochenblatt.pl HIER.

Auszüge aus der Rede des VdG-Vorsitzenden, Bernard Gaida, lesen Sie unten: 

Der Hauptpunkt unserer Tagesordnung ist "Information des Ministers für Bildung und Wissenschaft über Aktivitäten im Bereich der Minderheitenbildung, insbesondere Gesetzesänderungen in Bezug auf den Unterricht von Deutsch als Minderheitensprache und die Kürzung des Bildungsteils der allgemeinen Subvention für lokale Regierungseinheiten im Jahr 2022". Nur ein aufmerksamer Leser wird aus diesem Satz erahnen, dass es sich um eine dramatische Situation handelt, in der sich mehrere hunderttausend polnische Bürger, die sich mit der deutschen Kultur, Sprache und Nationalität identifizierten, befanden. Nach Jahren der Überzeugung von Demokratie, wachsender Toleranz und Akzeptanz des Andersseins in der polnischen Gesellschaft waren sie tiefst getroffen mit der Einführung in das in Polen geltende Rechtssystem, in die Politik gegenüber nationalen und ethnischen Minderheiten und das Bildungsgesetz der Diskriminierung der deutschen Minderheit im Allgemeinen und die schmerzhafte Stigmatisierung ihrer Kinder, die Deutsch als Sprache einer nationalen Minderheit lernen. (...)

Als Bürger der Republik Polen, die mit ihren Steuern den Staatshaushalt mitgestalten, die die gleichen Rechte und Pflichten haben wie andere Bürger, die sowohl der Mehrheit als auch nationalen und ethnischen Minderheiten angehören, überzeugt von der Richtigkeit ihrer Empörung über die Diskriminierung, die auf uns angewendet wird, erwarten wir den Rückzug aus dem Rechtsverkehr der Änderung vom 4.02.2022 und die Wiederherstellung der verfassungsmäßigen Ordnung uns gegenüber. (...)

Unsere Würde als polnische Staatsbürger wurde auch dadurch verletzt, dass ich noch vor der Abstimmung im Sejm an den Präsidenten der Republik Polen, an den Ministerpräsidenten, an den Innenminister, an den Marschall des Sejm geschrieben und auf die Absicht aufmerksam gemacht habe, die Verfassungs- und Menschenrechte zu verletzen, und wir haben keine Reaktion gesehen. Keine dieser Personen wollte ins Gespräch kommen. Das versprochene Gespräch mit Minister Czarnek hinderte ihn nicht daran, die bedauerliche Verordnung zu unterzeichnen, was diesem Gespräch die Bedeutung nahm.

Meine Würde wurde auch durch das Amt des Ministerpräsidenten verletzt, das mich zum Mitglied seines eigenen Beratungsgremiums für nationale Minderheiten ernannte und mich ignorierte, indem es ein diskriminierendes Bildungsgesetz einführte. Er ignorierte unser gesamtes Komitee. Macht dieses also überhaupt Sinn?

(...) Abschließend möchte ich in nur einem Satz sagen, dass ich absichtlich nicht über das Argument der angeblichen Beeinträchtigung des Unterrichts der polnischen Sprache in Deutschland gesprochen habe, weil es kein Recht hat, als Grund für die Annahme des Grundsatzes der Diskriminierung einer Gruppe eigener Bürger verwendet zu werden, die den Haushalt des polnischen Staates mitgestalten, aus dem diese Subvention stammt. Bürger, die die Grenze nicht überschritten haben. Sie war es, die uns einst überquerte, was uns zu Bürgern der Polen machte, denen gegenüber wir voll loyal waren und sind. Aber hat sich der Staat uns gegenüber als loyal erwiesen?

Im Allgemeinen zerstört diese Verordnung das System, zerstört Schulen, bedroht Lehrer, schadet Kindern. In einem war aber das Bildungsministerium erfolgreich. Es war ihm möglich, die Angst und Furcht der Menschen vor einem Staat wiederherzustellen, der sie nicht mag, sie nicht akzeptiert und als Hindernis betrachtet. Angst, die in der Volksrepublik Polen von Generation zu Generation weitergegeben wurde, die die Identität, Sprache und Würde tötete. Der Antragsteller dieser Änderung, der Abgeordnete Janusz Kowalski, sät diese Angst seit Jahren lokal und griff kürzlich zweisprachige Schilder an, war aber ineffektiv, denn die demokratischen Strukturen des Staates haben ihm widerstanden. Jetzt hat es die Unterstützung der Regierung der Republik Polen gewonnen und die Angst in Schlesien, Ermland und Masuren hat echte Formen angenommen.

Bernard Gaida
Vorstandsvorsitzender des VdG in Polen
Oppeln, 25. Februar 2022

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Weitere Stellungen bez. Deutsch als Minderheitensprache

Wir erhalten weitere Stellen und Einsprüche zur am 4. Februar 2022 eingeführten Verordnung des polnischen Ministeriums für Bildung und Wissenschaft zur Kürzung der Subvention für den Unterricht von Deutsch als Minderheitensprache. Mit einer Stimme äußerten sich die Regionale Industrie- und Handelskammer Gleiwitz, der Ausschuss für Soziologie der Polnischen Akademie der Wissenschaften und die Polnische Lehrergewerkschaft. Im Folgenden stellen wir Fragmente dieser Stellungen vor:

Standpunkt der Regionalen Industrie- und Handelskammer Gleiwitz zur Reduzierung der Ausgaben durch den Sejm um 39,8 Mio. PLN im Bildungsteil des allgemeinen Zuschusses für lokale Regierungseinheiten mit der Zuweisung dieser Mittel für den Polnischunterricht in Deutschland (15. Februar 2022):

Die Regionale Industrie- und Handelskammer (RIPH) ist, als Vertreterin der wirtschaftlichen Interessen von mehreren Einrichtungen, die mit ihr verbunden sind, und als unabhängige Einrichtung der Ansicht, dass das polnische Parlament eine diskriminierende Entscheidung getroffen hat, die Subventionen für die Bildung nationaler und ethnischer Minderheiten zu kürzen. (...) Als Vertreterin wirtschaftlicher Interessen bietet die RIPH ihre Unterstützung bei Protesten und zahlreichen Schreiben an, die direkt an die zuständigen Behörden, Ämter und Sektoren gerichtet sind und die die Änderung der betreffenden Angelegenheit beeinflussen könnten. (...) Als Regionale Industrie- und Handelskammer Gleiwitz sind wir uns des Ernstes der Situation und der negativen Folgen bewusst, die sie mit sich bringt.

Voller Inhalt der Stellung (PL)

Entschließung des Soziologischen Ausschusses der Polnischen Akademie der Wissenschaften zur Änderung der Funktionsprinzipien der öffentlichen Bildung in Minderheitensprachen in Polen (22. Februar 2022):

Der Soziologische Ausschuss der Polnischen Akademie der Wissenschaften bringt zum Ausdruck seine tiefe Besorgnis über die Entscheidungen zur Änderung der Funktionsprinzipien der öffentlichen Bildung in Minderheitensprachen in Polen. (...) Nach Ansicht der Mitglieder des Ausschusses können die getroffenen Entscheidungen weitreichende, negative Folgen für die Bürger des polnischen Staates haben, die nationalen und ethnischen Minderheiten in Polen angehören. Die Einschränkung der Möglichkeit, die ihnen durch das Minderheitengesetz von 2005 gewährten Rechte auszuüben, untergräbt das Vertrauen in den polnischen Staat, der den Grundsatz der Gegenseitigkeit anwendet, der vom Völkerrecht im Bereich des Minderheitenschutzes inakzeptabel ist, gegenüber seinen eigenen Bürgern. Die Verbesserung der Situation der polnischen Gemeinschaft und der Schutz der Rechte ihrer Mitglieder (einschließlich des Rechts, Polnisch als Muttersprache zu lernen) in Deutschland erfordert Diplomatisches Handeln, und nicht die Diskriminierung der deutschen Minderheit in Polen.

Voller Inhalt des Beschlusses (PL)

Polnische Lehrergewerkschaft in einem Brief an den Premierminister Mateusz Morawiecki (24. Februar 2022):

Diese Änderungen können die Rechte polnischer Bürger, die nationalen und ethnischen Minderheiten angehören, in Bezug auf die Freiheit, ihre eigene Sprache zu bewahren und zu entwickeln, sowie die Verpflichtung von Schulen und öffentlichen Einrichtungen verletzen, die den Schülern ermöglicht, ihr Gefühl der nationalen, ethnischen, sprachlichen und religiösen Identität zu bewahren und insbesondere die Sprache und ihre eigene Geschichte und Kultur zu lernen. Nach Angaben der Polnischen Lehrergewerkschaft wurden die oben genannten Änderungen vorgenommen, wobei der Minister für Bildung und Wissenschaft gegen das Verfassungsprinzip der Rechtsstaatlichkeit (Vertrauen in den Staat und das Recht, das er festlegt) und das Prinzip des Legalismus verstößt.

Voller Inhalt des Briefes (PL)

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Internationaler Tag der Muttersprache 2022: "Herausforderungen und Möglichkeiten"

Seit 1999 begeht die UNESCO den Tag der Muttersprache, um die Rolle der kulturellen und sprachlichen Vielfalt hervorzuheben. Der Tag sollte ursprünglich an die fünf Studenten erinnern, die 1952 während einer friedlichen Demonstration ums Leben gekommen sind, als sie forderten, dass die bengalische Sprache einen offiziellen Status erhielt. Im Laufe der Jahre ist der Tag der Muttersprache neben dem Gedenken zu einer Gelegenheit für viele Initiativen geworden, die jährlich organisiert werden: Ausstellungen, Treffen, Konferenzen und Bildungsprojekte.

Auf der Internetseite des polnischen UNESCO-Komitees heißt es: "Die UNESCO glaubt an die Bedeutung der kulturellen und sprachlichen Vielfalt für nachhaltige Gesellschaften. Als Teil ihrer Mission für den Frieden arbeitet sie daran, die Vielfalt der Kulturen und Sprachen zu bewahren, die Toleranz und Respekt für andere zu fördern." All dies ist eingebettet in die Bestimmungen der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen, die darauf abzielen, Sprachen zu schützen, Multikulturalismus und Mehrsprachigkeit zu fördern, und in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, in der "die Anerkennung der inhärenten Würde und der gleichen und unveräußerlichen Rechte aller Mitglieder der menschlichen Gemeinschaft" betont wird. Und eines der Grundrechte ist das Recht auf Bildung.

In Rumänien studieren fast 20.000 Schüler der deutschen Minderheit in 61 deutschsprachigen Schulen oder in Schulen mit deutschsprachigem Unterricht [1]. In Klaipeda, Litauen, wurde 1992 auf Initiative des Verbandes der deutschen Minderheit eine Schule gegründet, an der mehr als 500 Schüler Deutsch als Muttersprache lernen. [2] In Litauen hingegen studierten 2018/2019 in allen polnischen Schulen und Klassen auf Polnisch [4] insgesamt 11.114 Kinder [3] der polnischen Minderheit, der größten indigenen nationalen Minderheit in Litauen, die etwa 200.000 Personen (6,5% der Gesamtbevölkerung Litauens) zählt. Obwohl es so gewöhnlich klingt, können Kinder der deutschen Minderheit in Polen nur davon träumen, auf Deutsch unterrichtet zu werden (statt an paar zusätzlichen Stunden Deutsch in der Woche) ...

Nach Angaben des Goethe-Instituts haben mehr als 20% der Einwohner Deutschlands einen anderen kulturellen Hintergrund. Die im Land geförderte Mehrsprachigkeit wird bei Kindern von klein auf unterstützt; natürlich wird das Bedürfnis der Deutschkenntnisse, das sich aus der Notwendigkeit ergibt, in der Gesellschaft zu funktionieren, betont, die Herkunftssprache aber ist nicht ohne Bedeutung: "Familien sollen nicht aufhören, ihre Herkunftssprache zu sprechen", heißt es auf der Website des Instituts, "sondern sie zu Hause mit den Kindern und in der Familie anwenden. Für Kinder ist es ganz besonders wichtig, ihre Erstsprache gut zu sprechen [5]". In Österreich hingegen sind laut Statistik aus dem Jahr 2001 bis zu 250 verschiedene Sprachen zu hören; zu den am häufigsten verwendeten gehören Serbokroatisch, Türkisch, Englisch, Ungarisch und... Polnisch.

Angesichts der Situation vom 4. Februar 2022, in der den in Polen lebenden Schülern, die einer (!) von neun in Polen lebenden nationalen Minderheiten angehören, die Möglichkeit genommen wird, ihre Herkunftssprache effektiv zu lernen, sowie angesichts gleichzeitiger Gefahr einer weiteren Einschränkung der Stunden wird deutlich, dass die von der UNESCO propagierten Ideen des Pluralismus zunehmend reinem politischem Kalkül und politischen Wirrungen weichen. Auch ohne das ist die ohnehin schon schwierige Situation der Sprachen der nationalen Minderheiten in Polen nicht einfach. So lässt uns das im Titel erwähnte Motto des diesjährigen Tages der Muttersprache: "Herausforderungen und Chancen" auf Ersteres beschränken. Das ist sehr schade, denn die Sprachkenntnisse sollen uns in erster Linie neue Perspektiven eröffnen.

Bildquelle: unesco.org


[1] "Die deutsche Minderheit in Rumänien"
[2] www.zudermanas.klaipeda.lm.lt
[3] kresy.pl
[4] laut der Ergebnisse der Volkszählung 2021
[5] "Mehrsprachigkeit" in: www.goethe.de
[6] meinbezirk.at

Beschwerde des VdG in Polen an die Europäische Kommission

Hiermit reichen wir ein Beschwerdeschreiben ein, das sich auf die aktuelle Situation im Bereich der Minderheitensprachen und Minderheitenrechten bezieht. (…)

In der aktuellen Situation heben wir entschlossen hervor, dass aufgrund des Rahmenübereinkommens sowie der Charta die Deutschen in Polen als autochthone nationale Minderheit Anspruch auf die Unterstützung auf dem gleichen Niveau wie die anderen Minderheiten haben. Beide Regelwerke sind wichtige Errungenschaften im internationalen System zum Schutz der Minderheiten und sollen für die Republik Polen wichtige normensetzende Instrumente darstellen. (…)

Zu solchen Instrumenten gehört auch die Charta der Grundrechte der Europäischen Union, die die Prinzipien und Werte umfasst, auf denen die EU gründet und die mit dem Inkrafttreten des Vertrags von Lissabon am 1. Dezember 2009 Rechtsverbindlichkeit erhielt. Wir weisen ausdrücklich auf die grundlegenden Normen und bestehenden Rechte hin, die in der aktuellen rechtlichen und gesellschaftlichen Situation in Bezug auf die deutsche Minderheit in Polen missachtet werden. Angesichts einer ungerechtfertigten Ungleichbehandlung nur der deutschen Minderheit bitten wir um dringende Reaktion der Europäischen Kommission, um die negativen Auswirkungen der Kürzung der Stundenzahl des Deutschunterrichts als Minderheitensprache zu vermeiden. Wir würden konkrete Maßnahmen begrüßen, die zur Verurteilung und Behebung der Benachteiligung der deutschen Sprache im polnischen Bildungssystem führen und die notwendige Gleichbehandlung der deutschen Minderheit im Hinblick auf Bildung gewährleisten würden.

Die Verordnung vom 4. Februar 2022 soll am 1. September 2022 in Kraft treten. Die Schulträger müssen bis Mai 2022 entsprechende Entscheidungen im Rahmen der Planungen für das kommende Schuljahr treffen. In der Situation, in der die Arbeitsbedingungen der Lehrer:innen sich verschlechtern werden, ihr Stundendeputat reduziert wird und vielen erfahrene Lehrer:innen ihre Arbeitsstellen verlieren werden, sind dringende Schritte notwendig. Wir reichen eine Beschwerde ein mit der Bitte um jegliche Hilfe bei der Absicherung der Unmöglichkeit des Inkrafttretens von Verordnungen, mit denen die deutsche Minderheit diskriminiert wird. Die Europäische Union ist eine Gemeinschaft unterschiedlicher und doch durch gemeinsame Grundwerte geeinter Bürgerinnen und Bürger, die vor der Diskriminierung geschützt werden sollen.

Dem Schreiben wurde die Stellungnahme des VdG angesichts der geseltzlichen Diskriminiserung der deutschen Minderheit beigefügt. 

Kopie des Schreibens in Originalfassung

Siehe auch: 
Deutsch als Minderheitensprache: Beschwerde des VdG an den Europarat,
Beschwerde des VdG in Polen an das Europäische Parlament.

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Selbstverwaltungen und Unternehmer zur Verteidigung von Deutsch als Minderheitensprache

Für den Unterricht Deutsch als Minderheitensprache äußerte sich im Dezember letzten Jahres der Sejmik der Woiwodschaft Oppeln; es war nicht die einzige Stimme zu diesem Thema (darüber haben wir HIER geschrieben). Auch zahlreiche Gemeinden haben sich in den vergangenen Wochen gegen die Entscheidung zur Kürzung der Subvention geäußert:

  • Gemeinderat von Walzen (13. Januar 2022):

Diese Änderung kann enorme Auswirkungen auf die weitere Entwicklung der Gemeinde Walzen und der gesamten Region haben, da sie sich auf die Haushalte der lokalen Regierungen auswirkt, die oft kleine Bildungseinrichtungen unterhalten.

Vollständiger Text der Entschließung

  • Appell des Stadtrats von Colonnowska (17. Januar 2022):

Seit vielen (...) Jahren beobachten wir erhebliche Missverhältnisse zwischen dem tatsächlichen Bildungsbedarf und der dafür aus dem Staatshaushalt erhaltenen finanziellen Unterstützung. Und in der Situation einer zusätzlichen Kürzung der Subventionen aus den oben beschriebenen Gründen werden die genannten Missverhältnisse noch größer, was viele Gemeinden, einschließlich der Gemeinde Colonnowska, daran hindern wird, andere kommunale Aufgaben ordnungsgemäß umzusetzen, dagegen aber sie dazu zwingen, Bildungseinrichtungen zu schließen.

Vollständiger Text des Appels

  • Beschluss des Bezirksrates in Neustadt (28. Januar 2022):

Die Begrenzung der Mittel für den Unterricht von Minderheiten- und Regionalsprachen wird den Interessen des polnischen Staates abträglich sein und dem Wohl der lokalen Gemeinschaft, die wir vertreten, schaden.

Vollständiger Text der Entschließung

Ihre Positionen haben auch veröffentlicht:

  • Schlesische Handelskammer (10. Februar 2022):

"Die schlesische Handelskammer und die Unternehmer, die sie bilden, befürchten, dass die Kürzung der Subventionen nicht nur die Aktivitäten der Schulen beeinträchtigen wird, sondern in naher Zukunft erhebliche Auswirkungen auf die Entwicklung und Erhaltung der Arbeitsplätze in unseren Unternehmen haben wird. Arbeitgeber haben bereits immer mehr Probleme, erfahrene Mitarbeiter mit Deutschkenntnissen zu gewinnen, und viele von uns, Vertreter von Familien- und internationalen Unternehmen haben sich entschieden, unsere Unternehmen und unser Kapital in Regionen anzusiedeln, in denen Mitarbeiter, die frei Deutsch sprechen, zur Verfügung stehen. (...) Die von der Schlesischen Handelskammer organisierte Petition "Protest der Wirtschaftskreise gegen die Kürzung der Subventionen für die Bildung nationaler und ethnischer Minderheiten durch das polnische Parlament" wurde von fast 190 Vertretern von Wirtschaftsunternehmen nicht nur aus Schlesien beantwortet, die ihre Missbilligung der ergriffenen Maßnahmen zum Ausdruck brachten. Die Schlesische Handelskammer bringt ihre tiefe Besorgnis über die Maßnahmen zur Einschränkung der Möglichkeiten des Deutschunterrichts zum Ausdruck, da sie weitreichende Folgen nicht nur für unsere Unternehmen, für die Wirtschaft einzelner Regionen, sondern auch für die Zukunft Polens haben.

Vollständiger Inhalt

  • Schlesischer Kommunalverband (15. Februar 2022):

Die Auswirkungen einer solchen Lösung werden (...) nicht nur eine praktische Dimension haben und schon heute die Existenz vieler kleiner ländlicher Schulen infrage stellen, sondern sie bekommen – und bereits haben sie – ihre soziale Dimension, die durch den Hinweis des polnischen Staates veranschaulicht wird, dass eine bestimmte soziale Gruppe polnischer Bürger schlechter als andere Minderheitengruppen behandelt wird. (...) Wir protestieren gegen die Verschwendung dieser Entwicklungsmöglichkeiten für unsere Bewohner und appellieren an den Ministerpräsidenten der Republik Polen und die Entscheidungsträger, die Auswirkungen dieser schädlichen Verordnung dringend zu analysieren, die keiner vorherigen Konsultation - weder mit unseren noch mit anderen Kreisen, die davon betroffen werden - unterzogen wurde.  

Vollständiger Inhalt

Weitere Stellungen (in polnischer Sprache):

Gemeinderat in Rosenberg (30. Dezember 2021)
Stadtrat Proskau (5. Januar 2022) 
Gemeinderat Stubendorf (24. Januar 2022)
Stadtrat Zawadzki (24. Januar 2022) 
Gemeinderat Tarnau (25. Januar 2022)
Gemeinderat Kandrzin-Cosel (25. Januar 2022)
Stadtrat Ziegenhals (26. Januar 2022) 
Stadtrat Groß Strehlitz (26. Januar 2022) 
Stadtrat Gogolin (27. Januar 2022)
Gemeinderat Strehlitz (27. Januar 2022)
Gemeinderat Turawa (27. Januar 2022)
Gemeinderat Chronstau (31. Januar 2022)
Gemeinderat Comprachtschütz (10. Februar 2022)

Die oben genannten Schreiben werden mit freundlicher Genehmigung des Büros des Abgeordneten Ryszard Galla veröffentlicht. Vielen Dank.

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Online-Debatte: Spielball zwischen Deutschland und Polen? Die Polonia in Deutschland und die deutsche Minderheit in Polen

Ende 2021 beschloss das polnische Parlament, der deutschen Minderheit die Mittel für muttersprachlichen Unterricht um insgesamt 20 Prozent zu kürzen. Begründet wurde dieser Schritt mit dem Hinweis auf mangelnde Förderung der Polonia in Deutschland durch die Bundesregierung. Die Entscheidung und die damit verbundenen Vorwürfe wurden seitens Vertreter Deutschlands als „inakzeptabel“ zurückgewiesen. Offensichtlich handelt es sich vonseiten der polnischen Regierung um den Versuch, die Deutschen in Polen und die Polen in Deutschland für innen- bzw. außenpolitische Ziele zu instrumentalisieren.

Es diskutieren:

  • Knut Abraham MdB, CDU
  • Rafał Bartek, Vorsitzender des Parlaments der Woiwodschaft Oppeln, Vorsitzender der Sozial-Kulturellen
  • Gesellschaft der Deutschen (SKGD) im Oppelner Schlesien
  • Hans-Leo Dirks, Ministerialrat im Bundesministerium des Innern und für Heimat, Polonia-Beauftragter des Bundes
  • Prof. Dr. Peter Oliver Loew, Direktor des Deutschen Polen-Instituts
  • Dr. Kamila Schöll-Mazurek, Polnisches Bundesnetzwerk Partizipation und Soziales „Part of Europe“
  • Moderation: Dr. Agnieszka Łada-Konefał, stv. Direktorin des Deutschen Polen-Instituts

Mehr Informationen, Anmeldeformular HIER

Quelle: DPI 

Debatte über Deutsch als Minderheitensprache in den Medien

Die Entscheidung des polnischen Sejm, die Bildungsförderung für den Unterricht von Deutsch als Minderheitensprache zu kürzen, ist nicht nur für unsere Gemeinschaft unvorstellbar. In den letzten Wochen hat das Thema mediale Resonanz gewonnen: Zahlreiche Artikel, Sendungen, Diskussionen, Pressekonferenzen und Podcasts sind über die Abstimmungen im Sejm und die endgültige Verordnung des Bildungsministeriums erschienen. Und obwohl diese zahlreichen Stimmen leider nicht scheinen, die auf höchster Ebene getroffenen Entscheidungen zu beeinflussen, ist uns zum Trost zumindest das eine: Sie helfen einem breiteren Publikum, das Thema der Minderheiten, die Bedeutung der Vermittlung der Herkunftssprache und den Wert, den der Umgang mit Minderheiten in einer reifen Demokratie hat, zu verstehen.

Eine Auswahl der Medienbeiträge, die zu diesem Thema in deutscher Sprache erschienen sind: 

Janusz Kowalski schlägt zu (Wochenblatt.pl, 3.12.2021)

Kürzungen sind Diskriminierung (Wochenblatt.pl, 13.1.2022)

Weniger Geld aus Warschau (Tagesschau, 17.12.2021)

Das ist unglaublich kurios. Ein Gespräch mit Prof. Grzegorz Janusz, Leiter des Lehrstuhls für politische Systeme und Menschenrechte an der Maria-Curie-Skłodowska-Universität in Lublin (Wochenblatt.pl, 30.12.2021)

Es ist schwierig, die derzeitige Situation in Polen als etwas anderes als politische Kurzsichtigkeit zu bezeichnen. Ich erinnere mich, wie in den 1990er Jahren Jacek Kuroń, eine Persönlichkeit, die sich sowohl um die Opposition als auch um die Minderheiten verdient gemacht hat, sagte, dass Polen in seiner Entwicklung und seinen Plänen, der Europäischen Union beizutreten, nicht viel zu bieten hat. Es könnte also zumindest eine gute Minderheitenpolitik vorweisen. Nun wird der Unterricht in der Minderheitensprache für Kinder polnischer Staatsbürger eingeschränkt. Denn dieser Unterricht kommt nicht Kindern von Ausländern zugute, die sich vorübergehend hier aufhalten, sondern Kinder von Bürgern dieses Landes.

"Wer die Bildung der jungen Generation beschädigt und verletzt, schadet künftigen Generationen" - Pressekonferenz mit Prof. Bernd Fabritius (Wochenblatt.pl, 11.2.2021)

29:25 – Sejmkommission gegen Mittel für minderheitensprachlichen Unterricht (19.1.2022)

Weniger Deutschunterricht für Polens Schulkinder (dw.com, 25.1.2022)

Ich bin für Symmetrie in bilateralen Beziehungen, aber … (Wochenblatt.pl, 26.1.2022)

Ich kann solchen Kürzungen nicht zustimmen (Wochenblatt.pl, 26.1.2022)

Das ist erschreckend! (Wochenblatt.pl, 28.1.2022)

De Vries: Belastung für die deutsch-polnischen Beziehungen (cducsu.de/presse, 30.1.2022)

Die Würfel sind gefallen (Wochenblatt.pl, 5.2.2022)

Entscheidung beruht auf falscher Annahme (Wochenblatt.pl, 7.2.2022)

Nur noch eine Stunde Muttersprache 9Badisches Tagblatt, 10.2.2022)

Bundesregierung unterstützt deutsche Minderheit in Polen (Der Nordschleswiger, 10.2.2022)

Die Bundesregierung ist überrascht worden von dieser Entscheidung des polnischen Bildungsministeriums. Sie stellt nach meiner Überzeugung eine bedauerliche und offene Diskriminierung der deutschen Minderheit dar.

Bernd Fabritius: "Offene Diskriminierung eigener Staatsbürger" (11.2.2022)

Einladung zur Online-Diskussion zum Thema "Die Kürzung des Deutschunterrichts der deutschen Minderheit in Polen und die Folgen (findet am 22.2.2022 statt)

  • Publiziert in Medien

Online-Diskussion: "Die Kürzung des Deutschunterrichts der deutschen Minderheit in Polen und die Folgen“

Angesichts der gesetzlichen Diskriminierung der deutschen Minderheit in Polen zu der im polnischen Sejm beschlossenen Kürzung der Mittel für den muttersprachlichen Unterricht laden die Stiftung Verbundenheit mit den Deutschen im Ausland und die Arbeitsgemeinschaft der deutschen Minderheiten (AGDM) in der Föderalistischen Union Europäischer Nationalitäten (FUEN) zu einer Online-Diskussion zum Thema "Die Kürzung des Deutschunterrichts der deutschen Minderheit in Polen und die Folgen“ ein.

2022 02 15 Diskussion FUEN

Quelle: stiftung-verbundenheit.de

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