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Barbaren

Barbaren

Letzte Woche nahm ich zusammen mit Vertretern der Ungarn aus Rumänien und der Türken aus Griechenland an einem Besuch in Kiew teil. Wir wollten als FUEN die Situation der Minderheiten in der Ukraine näher kennenlernen. Der unmittelbare Grund waren die durch die ukrainische Regierung geplanten Rechtsänderungen, die laut Meinung der Ungarn negativen Einfluss auf die Minderheitenbildung haben können und zur Reduzierung der Stundenzahl in der ungarischen Sprache in den Minderheitsschulen führen können.
Man muss hier erwähnen, dass die Minderheitenbildung in der Ukraine das Bestehen von Schulen mir der Sprache der jeweiligen Minderheit als Unterrichtssprache bedeutet, in denen ukrainisch als Fremdsprache gelehrt wird. Dieser Standard ist ähnlich wie in Litauen und in anderen postsovietischen Ländern. Es ist ein Standard, der in Polen weiter unerreichbar ist. Im Fall der ukrainischen Ungarn bedeutet das nicht nur die Zeit bis zur Abitur, sondern auch die Universität. Diesen Standard wollen sie erhalten, dabei widersetzen sie sich auch nicht einer Verbesserung der Kenntnis der ukrainischen Sprache unter der Minderheitsmitgliedern.
Das zweite Problem ist die Situation der Krimmer Tataren, die nach der Annexion der Krimmer Halbinsel sehr schwer geworden ist. Diese befinden sich sowohl auf der Halbinsel, wie auch in der Ukraine, ohne die Möglichkeit nach Hause zurückzukommen. Alle Gespräche, ob offiziell oder inoffiziell, deuteten auf den Einfluss des Krieges im Donezbecken auf die Situation der Menschen und auch auf die Denkweise der Einwohner der Ukraine. Dieser Eindruck wurde durch einen Besuch auf dem Majdan der Unabhängigkeit ergänzt. Seine Nähe wird durch Erinnerungsorte an Menschen die da, Jung und Alt, getötet wurden. Von ihnen blicken auf uns Angesichter junger und alter Menschen, von Männern und Frauen, vor denen brennende Grablichter an die ukrainische Tragödie und an das Unrecht, das dieses Land immer noch seitens Russland erleidet erinnern. Die Stellung dieses Nachbarstaates weckt in Sachen der nationalen Minderheiten die Furcht, dass Russland die 19% der russischen Minderheit in der Ukraine nutzt, um den Konflikt zu verbreiten. Dies schadet allen.
Über meine Eindrücke nach dem Besuch bei den Deutschen schreibe ich in einer Woche, heute muss ich dafür mit einer erschütternden Verdeutlichung des Einflusses der Geschichtspolitik auf die Stellung der Bürger beenden. Nach der Landung in Warschau fragte mich eine Interviewerin, woher ich gekommen bin. Die Antwort: „Aus Kiew“. Die Reaktion: „Von diesen Barbaren?“. Eine einfache polnische Bürgerin, eine einfache ehrliche Antwort. Dafür eine Antwort, die mit Xenophobie erschüttert.

Letzte Änderung am Dienstag, 28 März 2017 15:14
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