
Der zweite Konferenztag begann mit dem Referat vom Pastor der evangelischen Pfarrei in Schwientochlowitz Marcin Brzóska, der über die Reformation im Teschiner Land erzählte.
Zunächst berichtete er über die ersten Zeichen der nahenden Reformation in Schlesien, die bereits zwei Jahrhunderte vor Luther zu sehen waren. Das Teschiner Land selber wurde in der Hälfte des 16. Jahrhunderts überwiegend evangelisch, wobei ein wichtige Rolle von der heimischen Piasten-Dynastie gespielt wurde, das friedliche Zusammenleben dauerte aber nur ein Jahrhundert – danach machte die Kontreformation Fortschritte. Der Bau von evangelischen Kirchen wurde ohne Einschränkungen erst nach den Schlesischen Kriegen, als Schlesien unter die preuβische macht kam:
Damals wurde das heute charakteristische Angesicht von Schlesien geprägt. In vielen Ortschaften sah man nun Kirchentürme zweier Konfessionen und zwei Gemeinschaften lebten in ihnen friedlich nebeneinander.
Professor Piotr Jaskóła stellte die katholische Perspektive auf Martin Luther vor, und das von dem Anfang Reformation, bis zum heutigen Tage. Er begann mit dem Vorstelen des Lebenslaufen von Luther selber. Anfangs war sein Bild in katholischen Schriften eindeutig ein dunkles. Das änderte sich in den nächsten Jahrhunderten, als diese Meinungen immer objektiver wurden. Dies ist besonders nach dem Zweiten Vatikan Konzil sichtbar, und an den Gedanken Martin Luthers ging in seinen theologischen Schriften auch nicht Papst Johannes Paul II vorbei, der ihn als erstes Kirchenoberhaupt nach über 400 Jahren mit Namen erwähnte.
Pastor der evangelischen Pfarrei in Oppeln Wojciech Pracki stellte Luther als Vater der deutschen Sprache vor. Dabei meinte er natürlich nicht, dass Deutsch erst in den Zeiten Luthers endstanden ist, sondern dass erst dann aus lokalen Dialekten eine allgemeine Kommunikationssprache gebildet wurde, in die Luthers seine Bibel übersetzte. Zwar gab es davor bereits 18 Übersetzungen der Bibel in die deutsche Sprache, aber sein Werk war das populärste und universellste. Dieses Werk war aber auch ein Impuls für die Übersetzung der Bibel in andere nationale Sprachen.
Doktor Piotr Birecki brachte den Teilnehmern der Konferenz die Geschichte der Reformation aus der Perspektive der Kunst in Preuβen näher. Die Einstellung der Lutheraner, die in dieser Region eine dominante Volksgruppe darstellten, wird oft missverstanden. Zwar gab es oft Beispiele von Plünderung und Vandalismus beim Übernahmen von Kirchen, dies war aber nicht die Regel:
Trotz Kontroversen sollten die Kunstwerke in Kirchen nicht zerstört werden, sondern eher der neuen Ordnung angepasst. Man hat versucht die Werke neu zu interpretieren, sodass diese nicht mehr ein Objekt des Kultes waren, sondern nur eine Weise der Übertragung des Glaubens.
Abends berichtete Margrit Kempgen, Geschäftsführerin der Stiftung evangelisches Schlesien in Görlitz, über das Leben der Protestanten in Niederschlesien im Laufe der letzten fünf Jahrhunderte. Dabei wurde auch der Wandel der Situation im Laufe der Jahre dargestellt. Besonders interessant war auch eine sehr pragmatische Politik des preuβischen Königs nach der Eroberung von Schlesien in der Hälfte des 18. Jahrhunderts. Es wurde auch die Eingliederung der Ostlausitz in Schlesien nach 1815 und die damit verbundenen Änderungen in der Kirche erklärt.
Die Konferenz wird aus den Mitteln des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland und des Ministerium des Innern und Administration realisiert.